Samstag, 23. April 2011

Rezension "Anständig essen" von Karen Duve

So, ich habe mein Buch "Anständig essen" von Karen Duve jetzt durch... Passend zur Lesung, die ist nämlich schon in zwei Wochen :-) Ich bin wirklich begeistert von dem Buch :) Das hat mir viiiiel besser gefallen als "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer.

Karen Duve beschreibt mit einem absolut trockenem Humor ihren Weg vom Fleischesser zum Frutarier.... Sogar eine Tierbefreiung wird auf eine erfrischende Art und Weise beschrieben, einfach nur super!! Es ist ein sehr authentisches Buch, Karen Duve geht auf viele kleine alltägliche Probleme ein, die wohl jeder, der sich mit Vegetarismus / Veganismus auseinandergesetzt hat, kennt...

Zum Beispiel fragt sie sich, ob es wirklich so verwerflich ist, den Bienen den Honig zu stehlen, da hätte sie auf dem Weg zum Bioladen zu Fuß wohl schon weitaus mehr Insekten getötet. Und ein weiteres "amüsantes" Problem hat sie mit ihrem Maultier. Das Ungeziefer, was sich langsam in das Tier reinfrisst, kann sie jetzt auch nicht mehr mit einem guten Gewissen töten.

Ein weiteres Problem sind die Eier, die das befreite Huhn legt. Die muss sie während ihrer veganen Lebensweise wegwerfen oder verschenken... Auch die Leder-Sachen sind nicht so einfach zu ersetzen, vor allem ein Reitsattel ist sehr schwer ohne Leder zu bekommen. Und Reiten an sich fällt auch für kurze Zeit ganz aus, da es ja auch eine Art Tierquälerei darstellt.

Zum Schluss des Buches entscheidet sich Karen Duve für eine endgültige Ernährungsform. Und zwar ist dies ein Mischmasch aus vegan und vegetarisch, also eigentlich wie bei mir :)
Sie hat zwar nicht wirklich geschrieben, gar KEIN Fleisch mehr zu essen, aber der Konsum wird sich wohl gegen Null halten, so schreibt sie... Milchprodukte möchte sie auf 10 % von dem bisherigen Konsum minimieren. Auch möchte sie so oft es möglich ist, ihre Lebensmittel aus dem Bioladen kaufen. Eier kauft sie keine mehr, die werden von ihren befreiten Hühnern genommen. Aber ob sie auf Ei als Inhaltsstofff in Lebensmitteln verzichtet, wird leider nicht beschrieben...

Und hier kommen meine Lieblingszitate aus dem Ende des Buches:

1. "Ehrlich gesagt hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich dachte, ich käme leichter davon. Zu Beginn meines Selbstversuchs hatte ich mir nämlich tatsächlich eingebildet, ich wüsste bereits, worauf das Ganze hinauslaufen würde, jedenfalls so ungefähr: insgesamt etwas achtsamer zu leben, deutlich weniger Fleisch essen, vielleicht die Hälfte von dem, was ich vorher gegessen hatte, und wenn, dann nur noch Fleisch aus ökologischer Haltung.

Aber leider ist es etwas völlig anderes, einen Weg zu gehen, als ihn bloß zu kennen. Und manchmal merkt man erst, dass man dabei eine Grenze überschritten hat, wenn man bereits auf der anderen Seite steht. Und dann ist es auch schon zu spät.
Sich mit den Tatsachen der Mastanlagen und Schlachthöfe auseinanderzusetzen, ist kein Ausflug, von dem man zurückkommen kann, um am Kamin von seinen Abenteuern zu erzählen und anschließend sein vorheriges Leben wieder aufzunehmen. Manchmal wünschte ich beinahe, es wäre so.

Manchmal wünschte ich, das Ganze wäre bloß ein Albtraum, und ich könnte daraus erwachen, und ein Hackbraten wäre wieder ein Hackbraten, ein Grillfest ein großes Vergnügen, und ich könnte in eine Bratwurst beißen, ohne dass an finsteren Orten wochen- und monatelang gelitten wird, damit es mir zehn Minuten schmeckt. Aber leider weiß ich jetzt, was Sache ist, und das bedeutet, dass ich nie wieder so werde leben und essen können, wie ich es vorher getan habe."


2. "Irgendwo muss Schluss sein. Dass Tiere durch zutiefst grausame Haltungsbedingungen gequält und auf barbarische Weise getötet werden, damit ich schön billig Fleisch und Wurst essen kann, ist nicht hinnehmbar. Ein Verbrechen bleibt auch dann ein Verbrechen, wenn es alle tun.

Allerdings kann ich auch nicht das Fleisch von glücklichen Tieren essen. Es gibt nämlich kein Fleisch von glücklichen Tieren. Bloß von toten. Und wenn mir bis jetzt immer noch keine guten Argumente für das Fleischessen eingefallen sind, dann liegt das möglicherweise daran, dass es keine gibt. Milch von glücklichen Kühen ist ebenfalls schwer vorstellbar. Es macht Kühe nun einmal nicht glücklich, wenn man ihnen die Kälber wegnimmt."


Also ich kann jedem dieses Buch nur ans Herz legen, der Kauf lohnt sich auf jeden Fall!!

Heute ist auch schon das nächste Buch zum Thema Tierschutz per Postbote eingetrudelt... Mehr dazu später :)

Falls ich vor Ostern nichts mehr poste, wünsche ich euch allen schonmal ein tierfreundliches Osterfest!!!

Kommentare:

  1. Ich mochte das auch sehr, aber darf ich fragen, warum die Tiere Essen nicht so gut gefallen hat? Ich finde eigentlich beide sehr unterschiedlich, aber auf ihre Art sehr gut.

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  2. ich LIEBE dieses buch!!! und ich hab mich bei karen duve auf ihrer vorlesung in münchen im januar sogar persönlich bedankt: für ihre arbeit und ihre ganzen bemühungen im zuge dessen. und eben dafür, dass sie die diskussion ins land bringt! du hast hier eine richtig tolle rezesion geschrieben... und ich wünsche ebenso einen schönen ostersonntag! liebe grüße, claudi

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  3. Vielleicht lese ich es doch mal. Dachte eigentlich ich "brauch" das nicht. Alles schon mal gehört oder gelesen ...

    Stand letztens nur vor der Wahl, welches ich verschenken soll. Hab mich dann für "Tiere essen" entschieden, was ich auch noch nicht gelesen habe. Welches ist den deiner Meinung nach besser für "Einsteiger"? Ich will ja auch niemanden gleich "schockieren" oder "überfordern", so dass das Buch eventuell nach 30 gelesenen Seiten in der Ecke liegt.

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  4. @Mneme: Bei Tiere essen wurde immer irgendwie von vorne angefangen, also es gab nicht so eine durchgehende "Geschichte". Und es ging dort ja nur um die USA. Und Tiere essen war insgesamt viel zu ernst geschrieben...

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  5. @Homeveganer: da würde ich "Anständig essen" empfehlen, das macht viel mehr Spaß, da es von dem Leben und dem Alltag erzählt.
    Und der Humor ist wirklich gut :)

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  6. Sehe ich genauso! Würde auf jeden Fall "Anständig essen" verschenken. "Tiere essen" nur an eine Person, von der ich überzeugt wüßte, dass sie am Thema wirklich ernsthaft interessiert ist, da es, wie Angel schon schreibt, keine zusammenhängende Story gibt, sondern Fakten (in gut geschriebener Form) zusammen getragen wurden. Und eben der Aspekt, dass es "nur" Amerika trifft. Karen Duve macht Spaß, nimmt die Leser an die Hand und schwingt keine Moralkeulen. Wirklich empfehlenswert - auch zum Verschenken!
    LG -jwoj-

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